Julia Ritter, 39 Jahre, Gründerin des erfolgreichen Lifestyle Shops desiary.de mit Sitz in Köln, hat früh den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und sich mit einem eigenen Startup einen Traum erfüllt. Heute verkauft sie handgemachte, ausgezeichnete und nachhaltige Wohn- und Dekorationsaccessoires sowie Geschenkideen online und offline und befindet sich im Internationalisierungsprozess. desiary.de ist längst kein Startup mehr, sondern ein gut laufendes Unternehmen.

Inzwischen hat Julia sogar ihr eigene Kollektion adorist.de entworfen und produziert – sie nennt sie liebevoll hand made wonders -, mit besonderen Design Highlights, die sie selbst auf dem Interior Markt vermisst hat.

Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, zu der wir sie in unserem Interview ausführlich befragen.






desiary.de
fine living accessoires

Woher hast Du den Mut genommen, Dich mit 29 Jahren selbstständig zu machen?

Ich habe Betriebswirtschaft studiert und dann 1,5 Jahre bei Daimler in Stuttgart in der Beratung gearbeitet. Hier habe ich viel gelernt an Projektmanagement und dennoch hat mir das Kreative gefehlt, in einem so großen Konzern ist die Arbeit sehr spezialisiert.

Daher musste etwas Neues her und ich habe in Stuttgart angefangen, Innenarchitektur zu studieren. In den Semesterferien habe ich nebenbei Kleinmöbel gebaut und damals schon angefangen, in kleinem Rahmen online zu verkaufen.

Das Erfolgserlebnis, dass über 100 meiner designten und selbstgebauten Nachttische Menschen in ganz Deutschland erfreuen, fand ich ganz wunderbar.

Die Idee war geboren, Produkte, die ich selbst vermisste, zu suchen und vielen Menschen zugänglich zu machen, so habe ich desiary.de 2009 als Concept Store für Wohnaccessoires und Geschenkideen gegründet.

Womit musstest Du kämpfen?

Meine Mutter war nicht eben begeistert, dass ich gefühlt so viel Risiko eingehe und die vermeintlich sichere Laufbahn verlasse, aber ich wollte nicht irgendwann bereuen, es nicht gemacht zu haben.

Am Anfang hadert wohl jeder, aber irgendwann muss man springen, ich habe den Umweg über das Betriebswirtschaftsstudium gebraucht und das war gut so. Vor dem Studium war ich noch nicht soweit, dass ich mich für mich auf meine Kreativität verlassen wollte. Im Rückblick hat sich alles ganz harmonisch zusammengefügt. Das wirtschaftliche Studium gibt mir das Know How für mein Business und die Innenarchitektur hat meine kreative Ader ausgebaut.

Woher nimmst Du deine tägliche Motivation?

Ich konnte schon immer gut organisieren, habe einen starken Willen und eine hohe Motivation.

Meine Motivation kommt aus meinem Willen zur Unabhängigkeit, Dinge zu gestalten, Lösungen zu finden, desiary.de wachsen zu sehen, mit meiner Idee erfolgreich zu sein und meine Kunden glücklich zu machen, ist genau das, was ich machen will.

Meine wichtigste Erfahrung tagtäglich ist, neue Probleme sportlich zu sehen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und was man von Beginn an nicht kann, kann man lernen.

Wir wollen mit desiary.de unseren Kunden Besonderes bieten, eine kuratierte Selektion an Lieblingsstücken und das ist sehr erfüllend.

Statt irgendetwas zu kaufen, den Fokus auf Qualität und Designanspruch zu legen. Wir brauchen keine Fast Fashion in der Einrichtung. Wir haben nur die eine Umwelt und hier ist mein Ziel, Style mit Nachhaltigkeit, Herkunft und Identität zu verbinden.

Mir machen Statement Pieces besonders Freude. Alles außer langweilig. Wir finden besondere Stücke – das sind Wohnaccessoires ausgezeichneter Designer und kleiner Manufakturen und Ateliers. Die Auswahl spiegelt meinen Geschmack wieder und ich würde nichts verkaufen, was nicht auch bei mir zu Hause stehen könnte oder was ich meinen Lieben schenken würde.

Wir suchen unsere Produkte nach 4 Kriterien aus. Sie müssen qualitativ hochwertig sein, das heißt langlebig und zeitlos in Design und Entwurf oder bestenfalls mit internationalen Designpreisen ausgezeichnet sein. Natürliche Materialien sind uns extrem wichtig, die Produkte sind überwiegend handgemacht. Produkte ohne Identität und Herkunft, die monatlich oder saisonal weggeworfen werden, finde ich persönlich ganz schrecklich. Lieber weniger kaufen und dafür Lieblingsstücke, die lange begleiten.

Langlebigkeit im Design, natürliche Materialien, internationale Designpreise, überwiegend handmade

So entstehen unsere Produkte überwiegend in Handarbeit und aus natürlichen Materialien. Das sind z.B. handgefertigte Lederwaren aus Italien und Spanien, handgegossenes  Porzellan in matten Pastellfarben aus Wien, Happy Chic aus New York und skandinavisches Glas. Auch findet ihr viele Designklassiker in unserem Sortiment wie den Holzaffen von Kay Bojesen, der schon seit den 1950ern Designliebhaber auf der ganzen Welt erfreut.

Was sind für Dich unbedingte Tools für das schnelle Wachsen eines Start-ups?

Netzwerken, sich austauschen, probieren, messen, optimieren, und ganz trivial mehr von dem machen, was gut funktioniert und weniger machen von dem, was nicht gut funktioniert.

Was uns erfolgreich macht, ist der breite Mix an Marketing Aktivitäten. Wenn ein Kanal gerade Mal schwächelt, fängt ein anderer Kanal das auf. Das macht uns unabhängig und das kann ich empfehlen. Auch eine Erfahrung, es braucht meistens mehr Geld als man denkt, auf der sicheren Seite ist man, wenn man Umsätze eher geringer plant und Kosten höher.

Wo siehst Du desiary.de in zehn Jahren?

Gerade wachsen wir stark und daher stellen wir in nächster Zeit viel innerhalb des Unternehmens um. Wir haben neue Kooperationen geschlossen und sind selber gespannt, wo es uns hinbringt. Ein großes Ziel ist es auf jeden Fall unsere eigenen Produkte und unsere eigene neue Marke adorist.de weiter groß zu machen.

Auch will ich mehr automatisieren, um mehr Zeit für das Wesentliche zu haben, beruflich wie privat.

Hast Du einen Tipp für junge Gründerinnen?

Holt euch Hilfe bei Startup Verbänden, Programmen oder Workshops in der Uni. Und tauscht euch aus mit Gleichgesinnten, das macht mehr Spaß, beflügelt und bringt euch noch weiter, z.B. bei Startup Teens oder anderen Startup Verbänden.

Welchen Rat würdest Du Deinem jungen Selbst geben?

Du musst nicht alles selbst können und du muss nicht schon alles im Vorhinein wissen, das ist anstrengend und auch gar nicht möglich. Vertrau dir selbst auf dem Weg.

Wie sieht eine gute Work-Life-Balance für Dich aus?

Mein Mann sagt, meine Work-Life-Balance ist, im Büro zu arbeiten und zuhause zu arbeiten. Aber ich bessere mich gerade, nachdem ich die letzten Jahre zu viel im Büro verbracht habe, komme ich dieses Jahr zum ersten Mal an normale Urlaubszeiten heran. Auch habe ich einen Home Office Tag eingeführt. Da mein Mann Freiberufler ist, können wir sehr gut zusammenarbeiten.

Da wir ja auch stationär in Köln vor Ort sind, binden mich die Öffnungszeiten an das Büro, aber ich habe ein tolles Team, das einen tollen Job macht und hier ist auch eine gute Erfahrung mehr Verantwortung zu übertragen und abzugeben. Im Team gibt es übrigens schon lange Teilzeit-Arbeitsverträge für diejenigen, die das wollen und das klappt prima.

Wie wichtig ist Deiner Meinung nach ein passendes Business Outfit?

Kleidung wie auch Interior Design haben hier viel gemeinsam. Beides drückt Stilbewusstsein aus und kann Werte transportieren – wie sehe ich mich und wie sollen mich andere wahrnehmen.

Gibt es für Dich ein Business Outfit, in dem Du dich immer gut fühlst?

Im Gegensatz zu meinen Zeiten im Konzern, unterscheidet sich heute mein Outfit privat nicht viel von meinem Outfit im Job. Ich mag Kleider und Röcke, in Hosen trifft man mich nie.

Kleider haben den großen Vorteil dass Sie feminin sind und man immer unkompliziert schnell angezogen ist, ohne lange Teile kombinieren zu müssen.

Was rätst Du Frauen, die ihren eigenen Stil noch suchen?

Baut auf gute Basics, die sich immer wieder gut kombinieren lassen. Klassiker gehen immer. Ein schlichter A-Linien Rock lässt sich mit Tops, Blusen, Blazer und Pullovern verbinden und funktioniert fast immer. Aber noch wichtiger ist, dass man sich in seinem Outfit wohlfühlt, ich will über mein Outfit nicht weiter nachdenken müssen. Wenn ich ein Teil sehe, was mir sehr gefällt kaufe ich es auch gerne öfter, so habe ich unter anderem mehrmals die gleichen Schuhe und 4 Mal meinen Lieblingspullover.

Welches Buch liegt gerade auf Deinem Nachttisch?

Ich lese gerade die 4-Stunden Woche von Timothy Ferriss zum zweiten Mal und nebenher einen Alpenkrimi von Jörg Maurer zum Abschalten.