Tatiana de Weber ist Hochzeits- und Eventplanerin. Eine wahre Berufung für sie, der sie seit fünf Jahren mit viel Herzblut, Dynamik und Empathie folgt. Tatiana sprüht vor brasilianischem Charme und Temperament. Die 46jährige wurde in Brasilien geboren, lebt aber seit inzwischen über 20 Jahren mit vier Jungs (drei Söhne, ein Ehemann) in Deutschland.

Nach einem Studium der Germanistik und Medienwissenschaften hat sie für Verlage und fürs Fernsehen gearbeitet, bis sie nach der Geburt ihres dritten Sohnes den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und eine Agentur für Event- und Hochzeitsplanung gründete, Tatiana de Weber Eventdesign und Hochzeitsplanung. Ihre Konzepte sind einzigartig und außergewöhnlich. Mit sehr viel brasilianischem Feingefühl und Temperament, sicherem Geschmack, inspirierenden Ideen und bemerkenswertem Organisationstalent entwickelt sie wahre Kunstkonzepte für Hochzeiten, Geburtstage, Partys…

In unserem Interview verrät sie uns, wie sie ihren Arbeitsalltag und ihr Familienleben managt, wie sie ihren Traumberuf gefunden hat und wie wichtig ein guter Business Look für sie ist.

Wie hast Du deine Leidenschaft für das Planen von Hochzeiten und Partys entdeckt?

Ein Fest war für mich schon immer der Anlass, mich kreativ auszuleben und daraus unvergessliche Momente zu zaubern. Meine Familie feiert eigentlich alles und das habe ich sehr verinnerlicht. Jeder kleinste Anlass reicht für einen besonderen Rahmen. Ein Pizzaabend mit Freundinnen z.B., bedeutet mir so viel, dass ich etwas Besonderes daraus machen möchte.

Zunächst habe ich nur im privaten Rahmen an der Umsetzung meiner Ideen gebastelt. Ich wollte, dass meine Gäste schöne Momente erleben, an die sie sich im Nachhinein erinnern und erfreuen können. Nach der Geburt meines dritten Kindes wurde es mit den unregelmäßigen Arbeitszeiten immer komplizierter. Als dann Freunde fragten, ob ich auch ihr Fest organisieren könnte und dann Bekannte und Arbeitskollegen, entstand die Idee, mich mit meiner großen Leidenschaft selbstständig zu machen. Und so fügt sich alles zusammen und das Schicksal nahm seinen Lauf. Eigentlich ist mein Job eine Verlängerung meines Lebensstils. Der Beruf hat sozusagen mich gefunden!

Was hat Dich bewogen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu machen?

Die eine Sache ist, das zu entdecken, was Dir Spaß macht. Die andere, aus diesem Spaß etwas Sinnvolles zu schaffen, eine Tätigkeit, die dich ausfüllt.

Ich war nie eine Frau, die nur Hausfrau und Mutter sein wollte, auch nicht als Mädchen. Viele Frauen finden vielleicht etwas, was ihnen wirklich Spaß macht, setzen es aber nicht professionell um. Das sehe ich anders. Mir ist die Möglichkeit zum Austausch, zur Kreativität so wichtig, dass ich mich schließlich zur Selbstständigkeit entschlossen habe. Und das habe ich bis jetzt nicht bereut.

Ich bin sehr neugierig und möchte am liebsten ständig etwas Neues erleben und erfahren, bloß keine Wiederholungen. So kann ich neue Ideen entwickeln. Ich möchte meine Tage füllen, mit Kreativität, Wandel und Austausch.

Was ist für Dich das Schönste an Deinem Job?

Das Schönste ist, dass ich mit dem Glück arbeite. Menschen, die heiraten und feiern, freuen sich, sie hoffen, sie glauben, sie sind begeistert – es geht um 1000 positive Gefühle! Das beflügelt und befriedigt mich ungemein.

Klar, die Bräute sich natürlich auch aufgeregt und nervös. Häufig ist die Planung auch nicht problemlos, Ideen werden verworfen und wieder aufgegriffen, man muss umdenken können, aber die Freude und das Glück überwiegen alles. Diesen Weg begleiten zu können, empfinde ich als etwas ganz Besonderes. Wenn sich am Ende die kleinen Mosaiksteinchen zu dem großen Ganzen zusammenfügen, fühlt sich das einfach großartig an und macht mich jedes Mal genau so glücklich wie meine Brautpaare. Das ist schon etwas sehr, sehr Schönes.

Wie und wo findest Du Inspirationen?

Das ist ganz witzig, bei mir findet man kaum ein Hochzeitsmagazin. Ich versuche mich von der ganzen Wedding Industrie fernzuhalten, weil ich glaube, Kreativität entsteht durch den Mut etwas Neues auszuprobieren. Die Ideen fangen grundsätzlich in meinem Kopf und nicht am Bildschirm an. Deshalb finde ich es sehr wichtig von Zeit zu Zeit diese ganzen Medienkanäle abzuschalten, sich von den Millionen Bildern in Instagram und Co. zu befreien und auf neue und vor allem eigene Ideen und Konzepte zu kommen. Ich möchte auf gar keinen Fall etwas wiederholen.

Ich finde vielmehr Inspirationen in fremden Branchen, wie der Garten- und Innenarchitektur oder der Kunst. Dementsprechend sind meine Moodboards auch nicht so schön, und zwar ganz einfach, weil es die Idee noch nicht gab und immer sehr individuell ist. Das ist anfangs manchmal ein Problem mit den Bräuten, aber Gott sei Dank vertrauen sie mir. Ich habe kein perfektes Konzept für z.B., eine maritime Hochzeit, in der Schublade. Jedes Konzept entsteht neu und unvoreingenommen. Das macht sie so besonders, einzigartig und persönlich.

Glaubst Du, dass Frauen auf ihrem Weg generell härter kämpfen müssen?

Total. Und noch schlimmer wird es, wenn die Frau Familie hat. Heutzutage wird von uns alles erwartet. In vergangenen Jahren war es noch gewiss klarer getrennt, die Frau hatte ihre Position, zwar zugegeben häufig eine doofe, aber die Rollenverteilung war geregelt, sie wurde nicht in Frage gestellt. Heute ist eigentlich alles, was du machst, falsch. Bleibst du zu Hause, wirst du schräg angeguckt und man fragt, was machst du eigentlich den ganzen Tag. Arbeitest du Vollzeit und holst dein Kind erst um 17Uhr aus der Kita, sind alle entsetzt, weil dafür muss man ja keine Kinder kriegen. Holst du dein Kind mittags aus der Kita ab, hat das Kind viel zu wenig soziale Kontakte… Nebenbei musst du natürlich das gesellschaftliche Leben wuppen, die beste Freundin sein, die beste Hausfrau, die beste Mutter und die beste Ehefrau. Es ist einfach sehr viel.

Häufig wird die Verwirklichung einer Frau auch mit Egoismus gleichgesetzt. Die Welt ist sehr, sehr streng mit den Frauen und auch nicht klar in ihren Erwartungen. Letztlich muss man sich frei machen von diesen Erwartungen, seinen eigenen Bedürfnissen folgen und für sich selbst den richtigen Weg finden.

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft ist gerade großes Thema. Wo siehst Du Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland?

Die gibt es definitiv. In Brasilien herrscht noch viel mehr eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Den Beruf ‚Hausfrau‘ gibt es als solches nicht. Entweder gehörst du zu den Privilegierten und hast Personal, das den Haushalt für dich schmeißt und deine Kinder betreut, dann geht diese Frau in jedem Fall arbeiten und hat auch meist eine hervorragende Ausbildung genossen. Oder du gehörst zu dem großen Teil der Bevölkerung, der hart arbeiten muss, um zu überleben. Die Struktur ist dadurch eine ganz andere, eine arbeitende Frau ist auf jeden Fall kein großes Thema in der brasilianischen Gesellschaft, sondern etwas ganz Normales.

Das ist in Deutschland schon anders. Ein großer Teil des Problems liegt in Deutschland allerdings an den Frauen selbst. Da geht es um Neid, Ehrgeiz und Konkurrenz. Dabei sollten wir alle vielmehr zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen.

Gibt oder gab es für Dich Vorbilder?

Mein größtes Vorbild ist meine Mutter. Meine Mutter ist Innenarchitektin und von ihr habe ich die Leidenschaft für Farben, Muster, Stoffe. Ich habe sie so oft beobachtet, wie sie aus einem einfachen Grundriss eine komplett neue Welt erschaffen hat. Und damals gab es noch kein Internet. Es war eine sehr haptische Herangehensweise.

Ein bisschen wiederhole ich auch ihre Geschichte. Meine Mutter war zunächst erfolgreiche Juristin, das war schon außergewöhnlich damals, und hat dann mit Ende 30 noch einmal auf Innenarchitektur umgesattelt. Ein sehr mutiger Schritt für die damalige Zeit. Ich habe mich auch mit 40 dazu entschlossen, einen komplett neuen Weg zu gehen. Meine Mutter ist da wirklich eine große Inspiration für mich gewesen und ist es auch immer noch.

Welchen Rat würdest Du deinem jungen Selbst geben?

Wenn ich jetzt 20 wäre, würde ich mehr auf mich selbst hören, und nicht auf das, was von mir erwartet wird. Ich würde das machen, was mir wirklich Spaß macht.

Im Prinzip gibt es nur zwei Wege. Die meisten jungen Menschen stehen unter Erwartungsdruck von ihren Familien und der Gesellschaft. Man muss sich entscheiden. Entweder man leidet am Anfang oder am Ende. Entscheidet man sich mit 20 den eigenen Weg zu gehen und stellt sich damit gegen das Elternhaus und die ganze ‚normale’ Welt voller Anwälte, Versicherungsvertreter, Lehrer… wird der Weg sicherlich zu Beginn sehr steinig sein, mit 40 ist man (hoffentlich!) aber erfüllt. Oder man entspricht den Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft, geht eigentlich deren Lebensweg, das ist sicher zunächst einfacher. In der Mitte des Lebens kommt dann aber die Unzufriedenheit. Mein Rat wäre auf jeden Fall, auf das eigene Herz zu hören, das spricht immer die Wahrheit. Und Mut zu haben, sich durchzusetzen.

Beruf und Familie, das ewige Thema: Wie schaffst Du den Spagat?

Ich muss sagen, mein Mann macht sehr viel mit. Er kann das beruflich inzwischen ganz gut einrichten und ist mein größter Fan :). Außerdem ist meine Anfangszeit seine stabilste Zeit, will sagen, er hat schon erreicht, was er erreichen wollte und kann mich jetzt dementsprechend unterstützen und auffangen. Das funktioniert sehr gut. Anders ist es, wenn beide gleichzeitig anfangen und sich etwas aufbauen möchten, das ist eine kompliziertere Situation.

Wie sieht eine gute Work-Life-Balance für Dich aus?

Ich würde gerne sagen, ich entspanne mich beim Laufen, beim Kochen oder beim Schwimmen. Aber es ist in der Tat so, dass meine Arbeit meine Entspannung ist. Eigentlich entspanne ich mich am besten, wenn ich an einem Konzept arbeiten kann, in Ruhe und allein, ohne dass mich jemand stört. Das mache ich am liebsten und tut mir wahnsinnig gut.

Wo siehst Du dich selbst in zehn Jahren?

Glücklich mit meinen Lieben. Das ist zumindest das Ziel und das ist vollkommen ausreichend für mich. Mein Leben ist im Hier und Jetzt, ich bin eher eine Macherin und Genießerin, ich spekuliere sehr ungern über die Zukunft. Wenn du dir vom Herzen Mühe gibst und daran arbeitest, deine Tage schön zu gestalten, anderen eine Freude zu machen, auf dich achtest, Spaß an den vielen Kleinigkeiten des täglichen Lebens hast, dann, denke ich, musst du dir keine Gedanken über die Zukunft machen. Sie wird ganz sicher zauberhaft.

Wie wichtig ist Deiner Meinung nach ein passendes Business Outfit?

Das ist sehr wichtig. Den Gedanken, sich im Job genauso anzuziehen wie in der Freizeit finde ich völlig abwegig. Business Garderobe muss auch ein Bild, eine Erwartung erfüllen. Sie muss zu dir selbst und zum Business passen sowie stimmig sein. Das Outfit kann sogar Teil der Marketing-Strategie sein. Die Aufgabe, der Job, das Ziel muss sich in jeder Kleinigkeit widerspiegeln und dazu gehört auf jeden Fall das Outfit.

Gibt es für Dich ein Business Outfit, in dem Du dich immer gut fühlst?

Die weiße Bluse. Ich glaube, ich habe sicher mindestens 48 davon… Eine weiße Bluse ist für mich wie ein leeres Blatt, das einfach beschrieben werden kann. Wir haben ja auch alle nicht viel Zeit und da ist eine coole weiße Bluse eine ideale Basis, bestenfalls mit Kragen, der rahmt das Gesicht wunderbar ein. Und dann kleckere ich gerne Farben dazu, auch kräftige. Für mich die einfachste Art elegant, charmant und pfiffig aufzutreten. Und auch altersgerecht. Ab einem bestimmten Alter in einem völlig ausgeflippten Outfit aufzutreten, finde ich unpassend. Wenn man so ist, in Ordnung, ich bin es nicht.

Welches Buch liegt gerade auf Deinem Nachttisch?

Ehrlich gesagt, komme ich nicht viel zum Lesen in der letzten Zeit. Mein Kopf ist auch abends häufig noch so voll von Informationen und Bildern. Am liebsten schaue ich Bildbände an, momentan über japanische Gärten. Und Bücher meines kleinen Sohnes, die findet man dort auch. Gerade zittern wir mit einer kleinen Maus, die seine Mama sucht “Ein Fall für Buffy” …